Wirtschaftlichkeitsfalle Gemeinkosten

Der Sachverhalt

Immer wieder kommt es zu teils endlosen Diskussionen wenn es darum geht, welche Rechnungspositionen bereits in den Gemeinkosten des Reparaturdienstleister enthalten sein sollen. Hier herrscht oft deutliche Diskrepanz zwischen den beiden Parteien: auf der einen Seite die Reparaturbetriebe bzw. Autohäuser, auf der anderen Seite die Versicherer bzw. deren Prüfdienstleister.

Insbesondere die Rechnungspositionen wie Fahrzeugwäsche, Corona-Pauschale oder auch die Probefahrt stehen hier im ständigen Fokus der Versicherer.

Definition Gemeinkosten

Um genau zu verstehen, um welche Kostenart es sich bei den Gemeinkosten handelt und für welchen Zweck diese Bezeichnung geschaffen wurde, ist der Blick in ein entsprechendes BWL-Lexikon der wohl beste Weg.

Hier ist zu lesen: „Unter den Begriff „Gemeinkosten“ werden in der Kosten- und Leistungsberechnung eines Unternehmens all jene Kosten zusammengefasst, die sich nicht direkt auf die einzelnen Kostenträger und Kostenstellen verteilen lassen…!“

In der Praxis

Im betrieblichen Alltag muss jeder Unternehmer eigenverantwortlich prüfen, welche Kosten nicht zuordenbar zu den einzelnen Reparaturaufträgen sind und von daher den Gemeinkosten zuzuordnen sind. Zur Vereinfachung haben wir hier typische Kostenpositionen einmal untersucht und für Sie kategorisiert.

Typische Gemeinkosten:

Kosten für Strom und Heizung – diese Kosten können keinem Reparaturauftrag konkret zugeordnet werden, da schließlich das Licht, welches Strom verbraucht für alle leuchtet, egal wie produktiv oder auch nicht. Mit der Wärme der Heizung verhält es sich ähnlich.

Betriebshaftpflichtversicherung und Gebäudeversicherungen – Auch diese Kosten stehen in keinem direkten Zusammenhang mit einzelnen Reparaturaufträgen.

Lohnkosten Lageristen, Hausmeister und Verwaltungspersonal – Auch Lohnkosten wie die hier genannten, sind typische Beispiele für Gemeinkosten, da die Betriebsstätte und das Firmengelände z.B. durch den Hausmeister gepflegt wird und alle Kunden sich daran erfreuen können, allerdings ist kein Kostenbetrag dadurch zu ermitteln, wer im Einzelnen wie viel Freude daran hat.

Keine Gemeinkosten:

Fahrzeugwäsche – hierbei handelt es sich um Kosten, die dem jeweiligen Reparaturauftrag konkret zuzurechnen sind. Wäre diese Kostenposition in den Gemeinkosten kalkuliert, müsste jeder Kunde anteilige Fahrzeugwäschen bezahlen, auch derjenige Kunde, der nur die Räder umstecken lässt oder eine Lampe ersetzen lassen möchte.

Corona-Pauschale – Die Kosten für das notwendige desinfizieren von Fahrzeugen sind dem entsprechenden Reparaturauftrag konkret zuordenbar. Auch ist der Aufwand des Desinfizierens nicht immer von identischem Umfang. Wird beispielsweise das Fahrzeug per Unterauftrag zum Lackierer ausser Haus gegeben, so ist auch hier eine entsprechende Reinigungsmaßnahme im Fahrzeugaus- und -eingang notwendig. Der Aufwand verdoppelt sich also. Somit wäre es auch hier betriebswirtschaftlich ein Fehler, diesen variablen Aufwand als Gemeinkosten zu deklarieren.

Probefahrt – Die Kosten einer Probefahrt sind ebenfalls einem konkreten Reparaturauftrag zuordenbar und dementsprechend keine Gemeinkosten. Die Notwendigkeit einer Probefahrt ist nicht immer gegeben und der Umfang der Probefahrt ist ebenfalls nicht immer identisch. Geht es beispielweise darum nur festzustellen, dass ein Fahrzeug nach erfolgter Achsreparatur wieder „gerade“ läuft, so ist dies meist schnell erledigt. Muss aber vielleicht geprüft werden, ob neu eingebaute Türen oder Verglasungen bei höherer Geschwindigkeit keine Geräusche machen oder das ersetzte Kühlsystem auch einer erhöhten Belastung stand hält, so ist vielleicht der Weg zur nächst gelegenen Autobahnauffahrt unvermeidlich. Dass dies insbesondere im städtischen Bereich manchmal etwas länger dauern kann, ist keine neue Erkenntnis.

Hinweis

Insbesondere die hier genannten Beispiele, die definitiv keine Gemeinkosten darstellen, werden nur allzu gerne von Versicherungen benutzt um das Gegenteil zu behaupten. Daher möchten wir hierzu noch ein paar Hinweise geben:

Bezüglich der Fahrzeugwäsche wird bekannterweise gerne unterstellt, dass diese Position der Fahrzeugaussenreinigung bereits in den Gemeinkosten enthalten ist. Ist jedoch eine Innenraumreinigung nach einem Schaden z.B. wegen Glassplittern erforderlich, werden die Kosten hierfür mit einer Wahrscheinlichkeit, die an 100% grenzt, bezahlt.  Wenn das Argument der Gemeinkosten bei Fahrzeugreinigungen also ernst gemeint wäre, wieso werden dann die Kosten der Innenraumreinigung nicht gleichartig bewertet?

Die Gemeinkosten werden in der Regel nicht täglich neu berechnet und umgesetzt sondern typischerweise nur einmal pro Jahr kumuliert. Dadurch bedingt können diese Posten logischerweise nicht auf schnelle Veränderungen am Markt reagieren. Würden die Kosten der Corona-Pauschale in die Gemeinkosten einberechnet werden, so wären diese auch dann noch für den Rest des Jahres Teil der Rechnungsbeträge; selbst dann, wenn morgen die pandemische Lage beendet und diese Dienstleistung nicht mehr notwendig wäre. So eine Vorgehensweise wäre betriebswirtschaftlich nicht zulässig!

Würden die Kosten der nur manchmal bei bestimmten Aufträgen anfallenden Probefahrt als Gemeinkosten gerechnet, so würden diese jedem Kunden bei jedem Auftrag zuteil werden. Das würde bedeuten, dass auch der Auftrag, bei dem nur eine Spiegelkappe zu lackieren ist, ebenso Probefahrtkosten übernehmen muss; ähnlich ungerecht würde es sich auch beim Kunden verhalten, der nur eine Glühlampe ersetzen lässt. Selbstredent, dass auch diese Art der Berechnung betriebswirtschaftlich falsch wäre.

Natürlich steht es jedem Unternehmer frei zu kalkulieren, wie er selbst es für richtig hält. Allerdings muss dabei der gesetzliche Rahmen ebenso wie der von der entsprechenden Rechtsprechung bestimmte, eingehalten werden.

Der Bundesgerichtshof hat bereits am 26.04.2016 (VI ZR 50/15) entschieden, dass es nicht zulässig ist konkrete Kostenpositionen als Pauschalen in Rechnung zu stellen und somit eindeutig zuordenbare Kosten intransparent zu gestalten. Eine vergleichbare Situation wäre allerdings auch dann gegeben, wenn konkret zuordbare Kosten in den Gemeinkosten „versteckt“ würden. Schließlich hat kein Kunde die Möglichkeit in die Erfassung und Kalkulation der Gemeinkosten qualifiziert Einblick zu erhalten.

Merksatz:

Je mehr Kostenpositionen den Gemeinkosten fälschlicherweise zugerechnet werden, desto höher fällt der allgemeine Stundenverrechnungssatz aus. Dieser Umstand hat einen konkreten, negativen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des einzelnen Unternehmens! Somit ist hier eine korrekte Kostendifferenzierung von entscheidender Wichtigkeit.

Achtung: Unternehmer, die mit Schadensteuerern oder Versicherungen Verträge abgeschlossen haben, in denen man sich verpflichtet hat bestimmte derartige Kosten selber tragen zu wollen, können sich natürlich nicht mehr auf das Recht bzgl. Erstattung der separaten Positionen berufen. Hier müssen entsprechende Kosten dann zum wirtschaftlichen und wettbewerblichen Nachteil des Unternehmens in die Gemeinkosten eingerechnet werden.

Das sagen die Gerichte

Am 25.09.2018 entschied der Bundesgerichtshof (VI ZR 65/18) in einem Fall bei dem es um die Kosten der UPE-Aufschläge ging, wie folgt:

„Die Preise der Ersatzteile, die eine markengebundene oder eine freie Fachwerkstatt dem Kunden in Rechnung stellen, werden nach deren eigener Preisgestaltung regelmäßig nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen aufgestellt; sie können sich im Rahmen der unverbindlichen Preisempfehlung der Fahrzeughersteller und/oder ihrer Importeure für Originalersatzteile bewegen, aber auch darüber oder darunter liegen.“

Um es  etwas zu verallgemeinern: „Die Preise… , die eine markengebundene oder eine freie Fachwerkstatt dem Kunden in Rechnung stellen, werden nach deren eigener Preisgestaltung regelmäßig nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen aufgestellt.“

Es liegt also in der Hand des Unternehmers, wie er seine Kosten bestimmt und berechnet!

Auch das Amtsgericht Iserlohn entschied dementsprechend am 02.01.2019 (41 C 254/18)

„Maßgebend dafür ist, dass im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft jedes Unternehmen seine Preise selbst festlegen darf, ohne zuvor ein Einvernehmen mit einem gegnerischen Haftpflichtversicherer festzulegen.“

So der Wortlaut des Urteils. Für Autohäuser und Reparaturbetriebe bedeutet dies also, dass es deren alleinige Sache ist, was wie berechnet wird. Ebenso bestimmt nicht der Versicherer, welche Kosten als Gemeinkosten zu verbuchen sind.

Das bedeutet: Es ist allein Sache des Werkunternehmers, was er wie berechnet. Kein Versicherer kann bestimmen, was Gemeinkosten sind und was gesondert berechnet werden darf.

 

Bereits am 21.11.2017 stellte das Amtsgericht Stuttgart im Urteil (43 C 2284/17) wörtlich fest:

„Die Kosten für eine Probefahrt sind nicht in den Gemeinkosten einer Werkstatt enthalten.“

Hier hätte es natürlich heissen müssen, dass die Kosten für eine Probefahrt nicht in den Gemeinkosten einer Werkstatt enthalten sein müssen, denn letztendlich entscheidet hierüber der Unternehmer und nicht der Kunde oder gar der Versicherer.

Die Expertenlösung

Um im Falle eines Unfallschadens sinnfreie Diskussionen mit Versicherern erfolgreich zu vermeiden und wirtschaftlich agieren zu können, bieten wir Autohäusern und Reparaturbetrieben mit der Kombination aus IMD-CONNECT.PRO und der dazugehörigen Kunden- und Mitarbeiterapp IMD-CONNECT.APP die bestmögliche Lösung.

Dies ist ebenfalls ein wertvoller Baustein zur Ertragsoptimierung und Abhilfe gegen ungerechtfertigte Regressforderungen seitens der Versicherer. Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass je früher Ihr Unternehmen die vorhandenen Schadenfälle absichert, desto weniger neue Möglichkeiten der Regressforderung entstehen auch!

Die Uhr läuft gegen Sie! Sichern und erhalten Sie Ihre Einnahmen!

Lassen Sie sich individuell passend zu Ihrem Autohaus oder Reparaturbetrieb beraten, gerne beantworten wir Ihnen alle Fragen hierzu. Gerne erstellen wir Ihnen vorab sowohl eine Wirtschaftlichkeits- als auch Rentabilitätskalkulation, die explizit auf Ihr Unternehmen abgestimmt ist.